Marine Litter: Das kann nicht die Lösung sein

Biokunststoffe haben viele Vorteile, eine Lösung für die zunehmende Verschmutzung der Meere sind sie sicher nicht. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie „Biodegradable Plastics and Marine Litter“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Der Einsatz von bioabbaubaren Kunststoffen wird demnach keine signifikante Verbesserung der Probleme des „Marine Littering“ bringen – weder quantitativ noch qualitativ. 

© Pixabay

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Über die Abbaubarkeit von Biokunststoffen im Meerwasser gibt es nur wenige Studien. Fest steht: In marinen Umgebungen werden sie deutlich langsamer abgebaut als in Thermokompostern – wo sie eigentlich hingehören. Das Meerwasser ist kühler, hat eine andere Zusammensetzung von Mikroorganismen und andere Sauerstoffverhältnisse. Außerdem fällt in die tieferen Regionen kein Sonnenlicht; durch UV-Licht werden viele Kunststoffe instabil und zerfallen.

Bio ist nicht gleich Bio

Biologisch abbaure Kunststoffe sind nicht zwangsläufig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Es gibt auch Kunststoffe aus fossilen Rohstoffen, die biologisch abbaubar sind. Die biologische Abbaubarkeit hängt nicht von den Rohstoffen, sondern von der chemischen Struktur ab. Für den Verbraucher ist es jedoch nahezu unmöglich, zwischen den Stoffen zu unterscheiden.

Mit der Klassifizierung ist eine biologische Abbaubarkeit nicht garantiert. Biobasierte Kunststoffe werden zwar aus natürlich gewachsenen Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt. Molekular gesehen sind sie jedoch identisch mit erdölbasierten Kunststoffen. Sie sind deshalb genauso wenig abbaubar wie letztere und müssen zwingend korrekt entsorgt werden.

Das Label Bio suggeriert zudem den Trugschluss, Biokunststoffe könnten ohne Bedenken in die Natur abgegeben werden. „Sind ja abbaubar!“ Dies führt nachweislich dazu, dass das Verhalten des achtlosen Wegwerfens vertieft wird. Die Folge: Es landet noch mehr Abfall in den Gewässern.

Abbaubarkeit hin oder her: Biokunststoffe gehören genauso wenig ins Meer wie ihre petrochemischen Pendants. Der Verbraucher bevorzugt zwar eine einfache Lösung; von seiner Verantwortung entbindet dies ihn jedoch nicht.

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