Fitness-Lifestyle: Pumpst du noch oder lebst du schon?

Ihr Schweiß treibt sie zusammen. In riesigen Hallen treffen sich junge Frauen zum gemeinsamen Workout. Angetrieben von der Sehnsucht nach dem perfekten Körper. Für Außenstehende wirkt das leicht verstörend, fast wie eine Sekte. Und ihr charismatischer Anführer heißt Kayla Itsines – dauerlächend, braun gebrannt und ohne eine Gramm Fett. „Kaylas Armee“ steht stellvertretend für einen Trend, der auf Instagram und Co. junge Frauen zu einem vermeintlich gesunden Lebensstil animiert. Hashtags wie Fitnesslifestyle, Fitfam oder Healthylife tun ihr Übriges. Doch wie echt und wie gesund ist dieser Trend tatsächlich?

Charismatischer Anführer mit Sixpack: Kayla Itsnes gehört zu den größten Nutznießern des neuen Fitnesswahns (© Facebook/Kayla Itsnes)

Charismatischer Anführer mit Sixpack: Kayla Itsines gehört zu den größten Nutznießern des neuen Fitnesswahns (© Facebook/Kayla Itsines)

Kayla Itsines hat allen Grund zu lächeln. Ihre 17 Millionen Follower auf Facebook, Twitter und Instagram haben sie zur Multimillionärin gemacht. Neu sind ihre Methoden freilich nicht. Hampelmänner, Kniebeuge und Liegestützen kennen wir alle aus dem Sportunterricht in der Schule. Auch auf die gesunden Kayla-Gerichte kann jeder selbst kommen, der sich ein paar Gedanken über seinen Speiseplan macht.

Strong ist das neue Skinny

Aber die Methode Kayla funktioniert. Und ihre Anhäger sind bereit, tief in die Tasche zu greifen, um ihrem Vorbild nachzueifern. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln findet den Erfolg von Itsines erschreckend. Seiner Meinung nach verkauft sie ein unerreichbares Schönheitsideal. Denn trotz idealer genetischer Veranlagung für Schlankheit müsste sie seiner Meinung nach mindestens drei Stunden täglich hart trainieren. Mit Gesundheit habe das nichts zu tun, im Gegenteil. Auch die Echtheit der Vorher-nachher-Fotos bezweifelt Froböse: „So schnell funktionieren Fettabbau und Muskelaufbau nicht.“ Die Wirkung der Fotos ist seiner Meinung nach verheerend. Viele Frauen würden so unter dem Deckmantel des Sports in die Magersucht rutschen.

Erwischt! Auch ich teile meine sportlichen Erfolge gerne über die sozialen Medien. Allerdings nehme ich das Ganze und mich dabei nicht all zu ernst (© Instagram/Sofawissen)

Erwischt! Auch ich teile meine sportlichen Erfolge gerne über die sozialen Medien. Allerdings nehme ich das Ganze und mich dabei nicht all zu ernst (© Instagram/Sofawissen)

Viele der Fitnessqueens rutschen im Grunde von einem Extrem ins nächste. Zählten sie früher Kalorien, sind es heute Kilometer und Trainingseinheiten. Denn ähnlich wie bei Essstörungen geht es auch beim neuen Fitnesstrend vor allem um Kontrolle. Nur motivieren nicht mehr die tatsächlich erreichten Erfolge, sondern die Likes und Herzchen in den sozialen Medien. Was vordergründig als gesund verkauft wird, ist nach Meinung von Experten nichts anderes als ein neuer Fetisch. Natürlich ist das alles besser, als Magersucht zu propagieren.

Ein Couchpotato im Kreuzverhör

Jetzt reden wir mal Tacheles! Wer im Glashaus sitzt, sollte ja bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Auch ich teile meine Mahlzeiten und Sporteinheiten gerne über Instagram und meinen Blog. Warum auch nicht! Allerdings nehme ich das Ganze und mich dabei nicht all zu ernst.

Sprung in die Realität: Ich rauche, trinke Alkohol und liebe Schokolade (© sofawissen.com)

Sprung in die Realität: Ich rauche, trinke Alkohol und liebe Schokolade (© sofawissen.com)

Obwohl ich regelmäßig Sport treibe und versuche auf eine gesunde Ernährung zu achten, hab auch ich meine kleinen und großen Laster. Ich rauche, trinke Alkohol, liebe Schokolade und kann Burgern und Pizza einfach nicht widerstehen. Ich kriege auch keine Panikattacken, wenn ich ein paar Tage lang keinen Sport gemacht habe. Warum? Weil es am Ende egal ist, was wildfremde Menschen in den sozialen Netzwerken über einen denken. Einigen wir uns doch einfach auf Gesundheit, statt ein bestimmtes Körperbild. Das Leben ist viel zu kurz, um es sich von Kalorien und fremden Idealen diktieren zu lassen.

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