Lebensmittelunverträglichkeiten: Gefühlte Wahrheit

„Schmeckt nicht, gibt’s nicht!“ Nein, wer was auf sich hält, hat eine Unverträglichkeit. „Wer keine Allergie oder keine Unverträglichkeit hat, der ist heute ja fast schon irgendwie langweilig“, erklärt Prof. Dr. Jana Rückert-John von der Hochschule Fulda. Um dazuzugehören und interessant zu bleiben, wird verzichtet. Der Markt reagiert und macht mit den sonderlichen Ernährungsformen ordentlich Profit. Problem: Am Ende haben wir nicht nur unserem Geldbeutel geschadet, sondern im Zweifel auch unserer Gesundheit.

Frisch, lecker und selbstgemacht! Aber leider bis oben hin voll mit Gluten (© sofawissen.com)

Frisch, lecker und selbstgemacht! Aber leider bis oben hin voll mit Gluten (© sofawissen.com)

Außer Frage bleibt, es gib Allergien gegen Lebensmitteln. Zu den häufigsten Allergenen bei Erwachsenen zählen Nüsse Äpfel, Meeresfrüchte und Sellerie. Sie können gesundheitliche Probleme auslösen. Diese reichen von Juckreiz und Schwellungen bis hin zu Magen-Darm-Problemen sowie Kreislaufreaktionen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem anaphylaktischem Schock – eine Extremreaktion des Körpers, die tödlich enden kann.

Statistisch gesehen, betreffen solche Allergien allerdings nur zwei bis drei Prozent der Erwachsenen. Noch deutlich geringer sind die Werte bei einer Unverträglichkeit gegen Gluten, dem Klebeeiweiß in einigen Getreidesorten. Unter einer chronischen Erkrankung des Dünndarms (Zöliakie) leiden in Deutschland gerade einmal 0,9 %. Ein Blick in den Supermarkt zeigt jedoch eine andere Wahrheit. Die Auswahl an glutenfreien Produkten lässt geradezu eine Massenepidemie vermuten.

Der Feind lauert überall

Gluten, Laktose und Weizen sind die neuen natürlichen Feinde des empfindlichen Trendsetters. Zwar warnen Experten davor, die Ernährung auf eigene Faust umzustellen. Aber was wissen die schon. Mit Dr. Google im Rücken greifen die Ernährungshypochọnder ordentlich zu. Das kann insbesondere bei einer vermeintlichen Glutenunverträglichkeit nach hinten losgehen. Der Umstieg auf glutenfreie Kost ist ein großer Einschnitt. Denn das Eiweiß ist in Backwaren, Nudeln, Süßigkeiten und vielen industriell hergestellten Lebensmitteln enthalten.

Mit dem Verzicht auf Gluten reduzieren viele auch ihren Vollkornkonsum. Getreide sind jedoch wichtige Ballaststofflieferanten. Diese sind wichtige Bestandteile für die Darmflora, regulieren die Darmtätigkeit und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen. Wer sich nicht abwechslungsreich ernährt, dem droht darüber hinaus ein Mangel an wichtigen Nährstoffen – z.B. den Vitaminen K, B1, B2 oder B6 und Mineralstoffen wie Magnesium, Zink oder Kupfer. Gerade B-Vitamine sind wichtig für die Herzgesundheit.

„Am Ende haben wir nicht nur unserem Geldbeutel geschadet, sondern im Zweifel auch unserer Gesundheit.“

Hinzu kommt, dass die Produkte häufig mehr Kalorien enthalten. Weil das Klebereiweiß fehlt, sind glutenfreie Produkte häufig trockener. „Um das auszugleichen und den Geschmack zu verbessern, ist meist der Anteil an Zucker und Fett in solchen Produkte höher“, erklärt Bianca Maurer von der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft. Hört sich weder gesund noch lecker an.

Außer Spesen nichts gewesen

Glutenfrei ernähren muss sich nur, wer tatsächlich eine Zöliakie hat. Alle anderen sollten froh sein, dass sie auf nichts verzichten müssen. Für den Handel sind die vermeintlichen Probleme hingegen ein gutes Geschäft. So kosten beispielsweise glutenfreie Nudeln 1,55 Euro, normale Nudeln 49 Cent. Sich unnötig glutenfrei zu ernähren, schränkt also nicht nur ein – es ist auch teuer.

Wer jetzt immer noch der Meinung ist, er habe ein Unverträglichkeit, dem empfehle ich erst einmal den Gang zum Arzt. Nur er kann feststellen, ob bestimmte Lebensmittel vom Speiseplan verschwinden müssen. Das Internet mit seinen einschlägigen Portalen oder Ratgeberbücher von selbsternannten Experten nicht.

Natürlich ist es wichtig, sich über seine Ernährung Gedanken zu machen. Aber wir sollten aufhören, Essen zu problematiiseren. Dafür schmecken die meisten Lebensmittel einfach auch viel zu gut!

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