SofaWiki: Mikroplastik

Mikroplastik ist klein, das ist kein Geheimnis. Ein Mikroskop braucht ihr dafür trotzdem nicht. Ihr erkennt es – je nach Sehstärke – als feine Kügelchen in eurem Peeling oder Duschgel. Was sind einfach nur kleine Kunststoff-Partikel und ab wann sprechen wir von Mikroplastik? Wo in unserem Alltag begegnet es uns? Das will ich euch mit diesem SofaWiki kurz erklären*.

Na wenn's hilft: Mikroplastik in Peeling (© sofawissen.com)

Na wenn’s hilft: Mikroplastik in Peeling (© sofawissen.com)

Eine einheitliche Definition für Mikroplastik gibt es nicht. Im internationalen Meeresschutz hat man sich auf folgende geeinigt: Mikroplastik sind Kunststoff-Partikel mit einem Durchmesser oder einer Länge von fünf Milimeter und weniger. Also Kügelchen, Fragmente oder auch Fasern. Flüssige, wachs- und gelartige synthetische Polymere beinhaltet diese Beschreibung von Mikroplastik oftmals nicht.[1]

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen primären und sekundärem Mikroplastik. Letzteres entsteht durch chemische und physikalische Alterungs- und Zerfallprozesse. Zum Beispiel durch Reifenabrieb auf der Straße oder wenn Plastiktüten mit der Zeit in den Gewässern zersetzt werden.

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Primäres Mikroplastik sind gezielt industriell hergestellte, kunststoffbasierte Granulate oder Pallets. Diese werden in verschiedenen Industrien zu technischen Zwecken eingesetzt. Zum Beispiel beim Abstrahlen von Elementen. Auch im Schiffsbau werden dise in der Nähe von Wasser eingesetzt.[2]

Aber selbst wer nicht im Hafen arbeitet, kommt in seinem täglichen Leben mit Mikroplastik in Kontakt. Denn einer der größten Abnehmer für die feinen Partikel ist trotz aller Versprechen noch immer die Kosmetikindustrie. So enthält fast jedes dritte Peeling Polyethylen [3], einen teilkristallinen Thermoplasten, der hauptsächlich für die Herstellung von Folien und Verpackungen zum Einsatz kommt (Titelbild).

Kunststoffe werden in der Kosmetik- und Körperpflegeindustrie häufig kombiniert, um verschiedene Fukntionen zu erfüllen. So dienen sie zum Beispiel als Schleifmittel, Füllstoff, Bindemittel, Filmbildner, Viskositätsregler, Trübungsmittel, Absorptionsmittel, Trennmittel, Hitzeschutz oder Conditioner (Tabelle 1).

Name Abkürzung (Markenname, Hersteller) Funktion
Polyethylen PE Schleifmittel, Füllstoff, Bindemittel, Filmbildner, Viskositätsregler
Polyamid PA (Nylon, DuPont) Füllstoff, Trübungsmittel, Filmbildner, Viskositätsregler, Absorptionsmittel
Polytetrafluorethylen PTFE (Teflon, DuPont) Füllstoff, Hitzeschutz, Trennmittel, Bindemittel, Conditioner
Polymethylmethacrylat PMMA (Plexiglas, Evonik) Filmbildner, Viskositätsregler, Haltbarkeit
Tabelle 1: Häufig verwendete Kunststoffe und ihre Funktion in Kosmetikprodukten

Die Kunststoffe liegen nicht ausschließlich als feste Partikel vor, sondern auch als Flüssigkeiten, Emulsionen, Suspensionen oder als Zwischenfromen. Nicht selten ändert sich der Zustand auch während ihrer Herstellung, Verarbeitung im Produkt oder Anwendung beim Verbraucher. [1]

Mikroplastik-Shopping Queen

Sitzt, wachelt und hat Luft – Jeans sind wahrscheinlich eine der besten Erfindungen aller Zeit. Das Gute zuerst: Sie bestehen aus Baumwolle, also aus Naturfaser. Die einzige Kunstfaser, die sie zusammenhält ist der Nähgarn aus Polyester. Ist sie dehnbar, enthält sie wahrscheinlich auch noch Elastan. Eine einfache Stretch Jeans – wie wir sie wohl alle im Schrank haben – kommt so auf einen Kunststoffanteil von 32 Prozent.

Allein, das ist sicherlich nicht der Rede wert. Probelamtisch wird es beim Waschen. Mit jedem Waschgang verliert die Hose winzig feine Partikel – Mikroplastik. Über die Waschmaschine gelangen diese in die Gewässer. Denn die Kläranalgen können sie – genauso wie das Mikroplastik aus Kosmetikprodukten – nicht herausfiltern.

Ähnlich wie die Klamotten im Schrank werden auch die Chemiefasern immer mehr. Laut Industrievereinigung Chemiefaser lag der Marktanteil synthetischer Fasern an der weltweiten Produktion im Jahr 2015 bei 74 Prozent, Baumwolle folgt mit 25 Prozent. [4] Pullover, T-Shirts, Kleider und Strickjacken bestehen meist zumindest aus einem Teil aus Baumwolle, oft gemischt mit Polyester, Elastan, Polyacryl, oder Viskose. Die guten Nylon-Strümpfe bestehen zu 100 Prozent aus Kunststoff. Denn Nylon ist nicht anderes als der Markenname für Polyamid 66 vom US-Amerikanischen Chemiekonzern DuPont.

*Anmerkung: Ich gebe an dieser Stelle bewusst keine Empfehlungen, wie ihr Mikroplastik vermeiden könnt. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Zum anderen finden sich dazu genügend Beiträge auf anderen Blogs. Das ist nicht meine Baustelle. Wie Mikroplastik unsere Umwelt – insbesondere unsere Ozeane und Meere – belastet, ist ebenfalls eine andere Geschichte. Das wiederum ist meine Baustelle, allerdings viel zu groß, um sie in einem einfach SofaWiki zu klären.

Quellen
[1] Schöttner D.: Vom Waschbecken ins Meer. Zu den Umweltfolgen von Mikrokunststoffen in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten. Report. Greenpeace. 2017
[2] mikroplastik.de/?page_id=711
[3] Grammes F.: Mikroplastik Studie 2016. Codecheck-Studie zu Mikroplastik in Kosmetika. Studie. Codecheck. 2016
[4] blogs.nabu.de/mikroplastik-landet-im-meer/

Ein Gedanke zu „SofaWiki: Mikroplastik

  1. Pingback: Fashion: Kunststoffe in nachhaltiger Sportmode | Sofawissen

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