Biokunststoffe: Grün ist meist nur das Gewissen

Nicht erst durch den Vorstoß der EU sind Kunststoffe in Verruf geraten. Für die Industrie heißt das: Ersatzprodukte müssen her, zum Beispiel in Form von Biokunststoffen. Aber ist die grüne Alternative auch wirklich immer die nachhaltigste Lösung?

Allein in Deutschland werden jährlich rund 3,1 Mrd. Kapseln verbraucht.

Allein in Deutschland werden jährlich rund 3,1 Mrd. Kaffeekapseln verbraucht.

Ja, auch ich besitze einer diesen bösen Kapselmaschinen. Und nach jedem neuen Ladenbesuch stieg das schlechte Gewissen. Vor allem, weil ich auch zu den faulen Menschen gehöre und die Kapseln nicht richtig entsorge. Schande über mein Haupt. Also was tun? Die Maschine wegschmeißen, ist nun auch keine Option. Zum einen hat das gute Teil Geld gekostet und zum anderen ist unnötiger Elektroschrott auch nicht die Lösung. Im Idealfall fängt man ja immer an der Wurzel des Problems an. Womit wir wieder bei der Kapsel wären.

Kaffeekapsel aus Holz

Und wer wie ich die Höhle der Löwen geguckt hat, weiß auch worauf ich an dieser Stelle hinaus möchte. In der diesjährigen Staffel stellten die Jungs von Rezemo ihre Kaffeekapsel aus Holz vor. Auch wenn der Deal am Ende platzte, zeigt der Auftritt zur besten Sendezeit vor allem eins: Grüne alternativen zu Produkten und Verpackungen aus Kunststoff oder Aluminium liegen im Trend.

Der Großteil der Rezemo-Kapseln besteht auch Holz. Aber eben nicht nur. Denn damit die Holzspäne halten, braucht es den Biokunststoff PLA.

Der Großteil der Rezemo-Kapseln besteht auch Holz. Aber eben nicht nur. Denn damit die Holzspäne halten, braucht es den Biokunststoff PLA.

Und bei Rezemo kommt sogar noch ein zweiter In-Faktor dazu. Denn damit die Holzfasern im Spritzgießprozess zur Kapsel werden, brauchen sie ein Bindemittel. In diesem Fall handelt es sich um PLA, einem Biokunststoff auf Basis von Milchsäure. Das ist gut, denn Biokunststoffe sind die besseren Kunststoffe und somit eine wirkliche Alternative zum schnöden Plastik. Die Vorteile – wenn man sie denn alle glauben mag – liegen ja auf der Hand:

  • Die Produkte sind ökologischer
  • Die Produkte verringern das Abfallvolumen
  • Die Produkte sind biologisch abbaubar und/oder kompostierbar

Sind Biokunststoffe ökologischer?

Klingt gut, oder? Leider zu gut. Denn in den meisten Fällen funktioniert diese Utopie nur theoretisch. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Deutsche Umwelthilfe. Zwar werden Erdöl und Erdgas durch nachwachsende Rohstoffe wie Stärke, Zucker oder Cellulose ersetzt, aber der Anbau der Rohstoffpflanzen verbraucht ebenfalls fossile Energieträger.

Im Ergebnis würden Ökobilanzen zeigen, dass biobasierte Kunststoffe keine generellen Umweltvorteile aufweisen. Anders verhält es sich bei der Verwendung von (landwirtschaftlichen) Rest- und Nebenprodukten, zum Beispiel Orangenschalen oder Sägespäne. Hier könne man durchaus zu einer besseren Ökobilanz kommen.

Verringern Biokunststoffe das Abfallvolumen?

Bevor wir diesen Punkt aufklären, eines vorweg: Es schickt sich nicht, seinen Müll auf die Straße, in den Wald oder im Meer abzulagern. Aber da viele im hektischen Berufsleben ihre gute Kinderstube vergessen, sollen es also Biokunststoffe richten. Genauer gesagt: Abbaubare Biokunststoffe, die sich in der Umwelt in Luft oder Kompost auflösen.

Auch hier kommt die Deutsche Umwelthilfe zu einem eindeutigen Ergebnis: Viele der sogenannten biologisch abbaubaren Kunststoffe bauen sich in der Landschaft oder in den Meeren ähnlich langsam ab, wie konventionelle Kunststoffe.

Außerdem könnte sich die Vermüllung durch Biokunststoffe sogar noch verschärfen, indem suggeriert wird, der Verbraucher könne das Produkt aufgrund seiner Abbaubarkeit einfach in der Umwelt entsorgen. Dabei wissen die wenigsten, dass abbaubar erst einmal nichts über die Ausgangsstoffe aussagt. Es gibt auch konventionelle Kunststoffe, die abbaubar sind.

Exkurs Kaffeekapsel-Mart

Exkurs Kaffeekapsel-Mart

Ist es sinnvoll, Biokunststoffe zu kompostieren?

Auch die Kompostierbarkeit der Biokunststoffe ist bisher noch rein theoretischer Natur. Der Biokunststoff PLA, der auch bei unseren Kaffeekapseln aus Holz zum Einsatz kommt, zersetzt sich nur unter ganz spezifischen Bedingungen und selbst nur dann langsamer als gewöhnlicher Kompost. In der Regel entstehen bei der Kompostierung von Biokunststoffen auch keine wertvollen Bodenbestandteile, sondern es findet lediglich ein Abbau zu Kohlenstoffdioxid und Wasser statt.

Dann eben in den Biomüll, oder? Auch wenn viele Unternehmen damit werben, sollte man sich dieses Vorhaben lieber ganz schnell aus dem Kopf schlagen. Denn aufgrund von Problemen bei der Kompostierung lehnen die Kommunen in Deutschland die Entsorgung von Biokunststoffen über den Bioabfall in aller Regel ab. Während biologisch abbaubare Kunststofftragetaschen grundsätzlich abgelehnt werden, erlauben etwa zehn Prozent der Kommunen biologisch abbaubare Bioabfallbeutel zur Sammlung organischer Abfälle.

Meine Lösung: Mehrweg-Kapseln

Mich persönlich haben die Kaffeekapseln aus Holz nicht überzeugt. Was auch daran liegt, dass ich schon vor Rezemos Auftritt eine Alternative angeschafft habe. Ich bin stolze Besitzerin einer wiederverwendbaren Kapsel aus Edelstahl. Mehrweg schlägt Einweg – sorry Rezemo!

Ich habe ich für eine Mehrweg-Variante entschieden.

Ich habe ich für eine Mehrweg-Variante entschieden.

Quellen
https://www.duh.de/fnileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Kreislaufwirtschaft/Verpackungen/180220_DUH_Infopapier_Bioplastik_de_eng.pdf 
https://uni.de/redaktion/biokunststoffe
https://rezemo.de/die-kapsel/
https://www.stern.de/wirtschaft/news/nespresso-und-co—9-fakten-zum-kaffeekapsel-wahnsinn-6989490.html

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