Fashion: Kunststoffe in nachhaltiger Sportmode

Nachhaltige Sportbekleidung ist längst zu einem Trend mutiert. Gab es bis vor einigen Jahren ein paar ausgewählte kleine Unternehmen, betreten heute immer mehr Player das Spielfeld. Aber was daran ist nachhaltig? Kleiner Spoiler: Die Materialien sind es in der Regel nicht. 

Läufer dehnt sich Schmuckbild, Pixabay)

Nachdem ich dieses Jahr bereits über 293 Kilometer (Stand 22. Juni 2020) quer durch München gejoggt bin, ist es an der Zeit für eine neue Laufhose. Und nachdem der Nachhaltigkeitstrend auch die Sportmode erreicht hat und auch ich ab und an das Gefühl habe, ich könnte durchaus einen kleinen Beitrag für die Umwelt leisten, lasse ich mich gerne von einem der selbst ernannten grünen Labels überzeugen. Dabei sind Preis und Optik tatsächlich zweitrangig. Das aktuelle Modell ist von Tchibo, schwarz, kostet 17,99 Euro und besteht aus Polyester sowie Elasthan. In beiden Fällen handelt es sich offensichtlich um Kunststofffasern und hat mit Nachhaltigkeit relativ wenig zu tun.

Das sollte von den Anbietern für nachhaltige Sportmode leicht zu toppen sein. Denn wer bis zu 90 Euro für eine Laufhose aufruft, sollte auch in der Lage sein, dass sich dieser Preis beim Material widerspiegelt. Keine Frage, ein nachhaltiges Gesamtkonzept geht weit über die eingesetzten Textilien hinaus. Zum einen bin ich jedoch was betrifft keine Expertin und zum anderen hört das Konzept bei den Materialien eben auch nicht auf. Und da komme ich ins Spiel: Denn als ehemalige Volontärin für ein Kunststoffmagazin traue ich mir an dieser Stelle durchaus zu, hier etwas Licht ins Dunkle zu bringen.

Ohne Elasthan geht es nicht

Wie wahrscheinlich die meisten in meiner Situation habe ich zunächst in den Tiefen des Internets nach Herstellern von nachhaltiger Sportmode gesucht. Diese Vorauswahl habe ich entsprechend meiner Anforderung schwarze Laufhose (ich möchte keine Yogaklamotte) gekürzt und mir das Angebot der folgenden Unternehmen genauer angeguckt.

Marke Preis in Euro Materialien
Paragonia 70,00 Recyceltes Polyester
Oceans Apart 59,99 88 % Polyamid, 12 % Elasthan
Les Lunes 89,00 95 % Bambus-Viskose, 5 % Elasthan
Nice to meet Me 89,00 78 % recyceltes Polyester, 22 % Elasthan
Ambiletics 79,00 78 % recyceltes Polyester, 22 % recyceltes Elasthan
Bodyguard 39,90 94 % Baumwolle, 6 % Elasthan
Magadi 69,00 64 % Lyocell (Tencel), 32 % Baumwolle, 3 % Elasthan
Mandala 85,00 55 % Lyocell, 30 % Baumwolle, 15 % Elasthan
Adidas X Parley 39,95 85 % recyceltes Polyester, 15 % Elasthan (Interlock)

Was direkt auffällt: Nahezu alle Unternehmen setzen in ihren Hosen Elasthan ein. Das hat seine Gründe. Denn die Chemiefaser ist dehnbar und elastisch. Elasthan ähnelt also Gummi, lässt sich jedoch im Gegensatz dazu einfärben. Nachteil: Es handelt sich dabei um einen Kunststoff. Das zugrundeliegende Blockcopolymer hat einen Massenanteil von mindestens 85 % Polyurethan (PUR). Anders als beispielsweise Polyvinylchlorid (Kurzzeichen PVC) oder Polyethylen (PE) sind PUR-Werkstoffe nie reine Kunststoffe, sondern stets chemisch-strukturell gemischte Polymere.

Recycelte Kunststoffe sind nur ein Anfang

Ohne Elasthan geht es also nicht. Da bietet sich die recycelte Version zumindest als Alternative an. Während recyceltes Elasthan offenbar noch ein relativ unbekannter Werkstoff ist, bekleidet recycelte Polyester (rPET) die Modeindustrie schon etwas länger – wie auch meine kleine Stichprobe zeigt.

Polyester sind Polymere mit Esterfunktion. Sie kommen zwar auch in der Natur vor, aber heute sind damit meist Kunststoffe gemeint, zum Beispiel Polyethylenterephthalat (PET) oder Polycarbonat (PC). Die Standard Polyester-Faser besteht aus PET. Aus der Schmelze gesponnen, anschließend heiß verstreckte PET-Fasern sind hochkristallin und schrumpfarm. Sie eignen sich daher für formbeständige, knitterfreie, chemikalien- und lichtbeständige, scheuerfeste Textilien. Also im Grunde die Eigenschaften, die wir uns für unsere Sportbekleidung wünschen.

PET dürfte den meisten an dieser Stelle ein Begriff sein. Ich behaupte, dass jeder schon einmal in seinem Leben aus einer PET-Flasche getrunken hat. Und tatsächlich, hat rPET aus Kunststoffflaschen und -behältern, die von den Verbrauchern weggeworfen werden, in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten. Darüber hinaus kann PET sowohl aus postindustriellen als auch aus post-consumer Materialien recycelt werden.

Das Problem Fast Fashion bleibt

„Ein Nachteil ist allerdings, dass die Kleidung an sich noch nicht recycelt werden kann“, sagt Ellen Bendt, Professorin für Modedesign an der Hochschule Niederrhein. Die Probleme von Fast Fashion lösen sich also auch für 90 Euro nicht in Luft auf. Denn bisher geht es ja nur darum, die Ausgangsmaterialien durch andere Werkstoffe zu ersetzen. Und selbst wenn: „Es ist relativ aufwendig, Klamotten zu recyceln“, so Bendt. Kleidung besteht nicht nur aus dem Stoff an sich. Er enthält oft Farbstoffe, Nähte und andere Additive wie Verschlüsse. Wer Kleidung in großem Stil recyceln will, sollte möglichsten sortenrein produzieren. Im Idealfall verwendet man nur ein Material und Einzelkomponenten, die leicht voneinander trennbar sind.

Doch selbst wenn die Produktion synthetischer Kleidung in einen effizienten Recycling-Kreislauf eingebunden wäre: Mikroplastik würde zum Beispiel beim Waschen immer noch entstehen und im Abwasser landen. Auch deshalb wird nach Alternativen geforscht. Die sieht Bendt allerdings nicht in der Baumwolle: Der Anbau von Baumwolle sei wenig ökologisch, brauche viel Agrarfläche und Wasser.

Quellen
[1] E. Bauer, u.a.: Saechtling Kunststoff Taschenbuch (31. Auflage), Carl Hanser Verlag, München 2013
[2] Recycling-Offensive bei Adidas (18. Juli 2018), https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/kunstfaser-kleidung-adidas-stellt-auf-recycling-material-um  (Stand: 19. Juni 2020)
[3] Alternative zu Baumwolle (13. Februar 2020), https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/lyocell-als-alternativen-zu-baumwolle-vielseitiger-und-umweltfreundlicher-als-viscose (Stand: 19. Juni 2020)
[4] Technische Kunststoffe: Polyamid (o.J.), https://www.kunststoffe.de/themen/basics/technische-kunststoffe/polyamide-pa/artikel/polyamide-pa-651963 (Stand: 19. Juni 2020)

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