Fast Fashion: Nachhaltigkeit neu gedacht

Der Corona-Lockdown treibt die Menschen massenhaft zum Einkaufen ins Internet. Der Onlinehandel legt deutlich zu. Insbesondere die Umsätze der Fast-Fashion-Unternehmen steigen weiter. Aber wie lange noch? Der Verbraucher fordert mehr Nachhaltigkeit und ist doch selbst das Zünglein an der Waage.


Liebe Freunde des gemütlichen Sitzfleisches,

selbst ich versuche mittlerweile, meinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Und dank Lockdown funktioniert das auch vergleichsweise gut. Nur bei einem Punkt werde auch ich immer wieder schwach: Shopping! Wenn die Schnäppchen schreien, wird mein nachhaltiges Ich ganz schüchtern.

Dass das nicht gut ist, weiß ich. Doch warum soll ich mich eigentlich ändern? Sollte mir die Modeindustrie nicht entgegenkommen? Schließlich wollen die Geld von mir und nicht umgekehrt. So schwer kann es nicht sein, Kunststoff-Fasern durch nachhaltige Werkstoffe zu ersetzen. Selbstverständlich darf ich das an der Kasse aber nicht merken. Okay, ganz so verklärt ist meine Weltansicht dann doch nicht. Ich weiß, dass an dieser Stelle beide Seiten ins Geschäft kommen müssen: Unternehmen und Verbraucher.

Die gute Nachricht: Das Umdenken findet bereits statt. Insbesondere Start-ups drängen auf den umkämpften Fashion-Markt und mischen diesen mit innovativen Ideen auf. Dabei setzen sie nicht nur auf neue Materialien, sondern nehmen ganz bewusst die bedenkliche Zwickmühle der Verbraucher in ihre Geschäftsidee auf. Das mag noch nicht das Ende von Fast Fashion sein, aber es ist ein Anfang. Genau um diesen Zwiespalt soll es in der März-Ausgabe von Sofawissen gehen.

Viel Spaß beim Lesen, Hören und Angucken!


Fasern: Der Teufel trägt Polyester

Wenn man aus stofflicher Sicht einen Schuldigen für den Modeirrsinn finden möchte, muss man gar nicht lange suchen. Wahrscheinlich jeder hat Textilien aus Polyester im Kleiderschrank. Der Werkstoff wurde bereits in den 1920er Jahren entdeckt, kam aber erst knapp 20 Jahre später auf den Markt. Seinen Durchbruch erlebte der technische Kunststoff schließlich in den 1980er Jahren und hält sich seitdem hartnäckig – auch in der Mode.

Denn wie alle Kunststoffe handelt es sich auch bei Polyester um eine endliche Ressource, die sich nicht kompostieren lässt und in der Waschmaschine gerne mal den Weg nach draußen sucht (#mikroplastik). Aber selbst, wenn wir den Umweltfaktor einmal ausblenden, haben Textilien aus dem Kunststoff andere Nachteile. Und ich wette, den ein oder anderen habt ihr selbst schon mitbekommen. Polyester-Kleidung ist in der Regel nicht wirklich atmungsaktiv. Das heißt, man schwitzt nicht nur sehr schnell, sondern man riecht es leider auch sehr deutlich. Zudem laden sich die Klamotten sehr schnell elektrostatisch auf – angenehm ist anders.

Binge Wissen Polyester


Fast Fashion: Günstig, viel und trotzdem nachhaltig?

Bevor wir zu diesem Abschnitt kommen, möchte ich ein was loswerden: Es gibt Menschen, die sind auf günstige Mode angewiesen. Dass auch sie die neuen Trends tragen, ist für mich selbstverständlich. Ein modischer Stil sollte erst einmal keine Frage des Geldbeutels sein. Nun kommt jedoch das große ABER! Es gibt – vor allem in der modeverrückten Influencer-Welt – genügend Personen, die es besser wissen könnten und vor allem besser machen müssten. Doch auch hier finden sich genügend Frauen und Männer, die ein Hemd aus reinem Polyester aus China für absolut en vogue halten.

Aber halten wir uns nicht mit diesen schwarzen Schafen auf. Denn es gibt einen Lichtblick am dunkeln Mode-Horizont. Die neue und vor allem schicke Kombination heißt „nachhaltig und erschwinglich“. Und ganz oben auf der Welle schwimmen derzeit Stefanie Giesinger, GNTM-Siegerin und Influencerin, und Marcus Butler, Giesinger-Freund und Internetbekanntheit. Ihr Label „NU-IN“ soll für nachhaltige Fashion zum erschwinglichen Preis stehen. Ein Blick auf die Preise zeigt, das ist schon einmal nicht gelogen. Beim Thema Nachhaltigkeit tragen die beiden dann aber vielleicht etwas zu dick auf.

Binge Wissen Fast Fashion & Nachhaltigkeit


Es geht auch anders I: Neue Fasern

Glück im Unglück: Die Modeindustrie entdeckt zunehmend das Thema Nachhaltigkeit und das spiegelt sich auch bei den eingesetzten Materialien wider. Die dafür eingesetzten Fasern werden mit neuen und umweltschonenden Verfahren und Produktionsansätze hergestellt. Im Idealfall nutzen sie bereits bestehendes Material für die Herstellung von Textilfasern. Das hat den Vorteil, dass keine neuen, landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau der Rohstoffe beansprucht werden. Auch der Wasserverbrauch kann je nach Verfahren niedriger sein, als beispielsweise für die Baumwollproduktion. Zu den wieder- und weiterverwendeten Materialien zählen beispielsweise Holzreste, recycelter Kunststoff oder organische Industriereste.

Binge Wissen Neue Fasern


Es geht auch anders II: Neue Fashion-Modelle

Wie viele von uns habe auch in den Lockdown für Online-Shopping genutzt. Zwar braucht man aktuell nicht mehr als eine bequeme Jogginghose und regelmäßig frische Unterwäsche. Aber zum einen gehen mir langsam die Netflix-Ideen aus und zum anderen möchte ich – wenn es irgendwann so weit ist – beim ersten Post-Corona-Ausgehabend verdammt gut aussehen.

Online-Shopping ist ja grundsätzlich auch kein Verbrechen, verleitet aber natürlich schnell dazu, das Umweltbewusstsein hintenanzustellen. Da nehme ich mich nicht aus. Auch ich bestelle die Teile oft in mehreren Größen und Farben. Was nicht passt, wird eben zurückgeschickt. Für Händler und deren Logistikpartner ist das sogenannte „Bracketing“ ein großes Problem. Im besten Fall verursachen Retouren zusätzliche Transporte, Verpackungen und Produktaufbereitungen. Im schlechtesten Fall führen sie zur Vernichtung von Neuwaren. Wie schaffen es nun beide Seiten – Hersteller und Kunde – raus aus dieser Zwickmühle?

Eine Lösung könnte Künstliche Intelligenz (KI) lauten. Eines der bekanntesten Unternehmen – #DHDL sei Dank – ist Presize. Das Start-up aus München bietet ein Selbstvermessungs-Programm an, mit dem jeder seine individuelle Konfektionsgröße herausfinden kann. Das Versprechen: Wer sich einmal vor der eigenen Handykamera dreht, braucht nie wieder etwas zurückschicken, nur weil es nicht passt.

Einen anderen Weg schlägt das Unternehmen Re-Athlete aus Braunschweig ein. Ihr Ziel ist es, überschüssige Produkte erst gar nicht entstehen zu lassen. Das Konzept: Re-Athlete stellt auf Bestellung T-Shirts und Hosen aus recycelten Schleppnetzen und Industriemüll her.

Binge Wissen Neue Fashion-Modelle

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