Menstruation: Tante Rosa mag nicht mehr

Die monatliche Periode gehört für einen großen Teil der Weltbevölkerung zum Alltag. Sie ist blutig, manchmal schmerzhaft und oft auch einfach nervig. Aber was sie bestimmt nicht sein sollte: ein Tabuthema.


Liebe Sofawissen-Freunde,

ich kann mich noch gut an meine Pubertät erinnern. So lange ist die ja gar nicht her 😉 Für meine Freundinnen und mich gab es eigentlich nur ein Thema: Welche von uns bekommt zuerst ihre Periode. Schließlich waren wir damit nun endgültig keine kleinen Mädchen mehr. Und ja, wir haben uns tatsächlich füreinander, aber auch für uns selbst gefreut.

Diese Freude währte allerdings nur kurz. Denn je öfter die monatliche Blutung kam, desto mehr versuchten wir diesen – natürlichen – Umstand zu verstecken. Mit Tampons wurde unter der Hand in der letzten Ecke des Klassenzimmers oder direkt auf dem Mädchen-WC „gedealt“. Selbst der Drogenhandel wird auf dem Pausenhof schamloser ausgelebt.

Und heute? Ich bin mittlerweile 32 Jahre alt und habe zumindest meine Tampons ganz offensichtlich im Badezimmer stehen, was auch nicht immer der Fall war. Und doch ärgert mich etwas: Auf der einen Seite gebe ich wirklich viel Geld dafür aus, aber auf der anderen Seite soll ich meine „weiblichen“ Probleme doch bitte für mich behalten. Woher rührt eigentlich diese Angst vor menstruierenden Personen? Und noch viel wichtiger, was können wir dagegen tun?

Ich bin diesen und weiteren Fragen einmal auf den Grund gegangen. Und habe dafür erneut viel Zeit im Internet verbracht und die besten Inhalte für euch rausgesucht. Aber um ehrlich zu sein, so ganz uneigennützig wie es sich anhört, war es nicht. Ich selbst, wollte nicht nur mehr wissen, sondern auch meinem Mindset zu dem Thema ein kleines Update verpassen.

Viel Spaß beim Lesen, Gucken und Hören!


Periodenprodukte: Zu wertvoll, um kostenlos zu sein

Ich muss zugeben, ich habe mir bis letztes Jahr eigentlich nie Gedanken darüber gemacht, wie viel ich für meine Tampons ausgebe. Ich persönlich finde meine Marke auch nicht teuer. Aber das ist ja nicht nur Ansichtssache, sondern auch eine Frage des Einkommens. Aber als ich erfahren habe, dass Perioden-Produkte mit 19 Cent versteuert werden, während auf andere, echte Luxusgegenstände weniger draufgezahlt werden muss, fand ich das einfach nur ungerecht.

Mittlerweile haben wir diesen Punkt zum Glück überwunden. Aber es braucht ja bekanntlich nicht lange, bis Mann ein neues für sich unüberwindbares Problem identifiziert hat. Und das wir ihm mit der Debatte um kostenlose Menstruationsprodukte quasi auf dem roten Tablett serviert. Ich bin erstmals auf Twitter darauf aufmerksam geworden und fand es interessant, dass sich vor allem Männer durch kostenlose Hygieneprodukte für Frauen provoziert fühlen.

Natürlich, auf den ersten Blick erscheinen zum Beispiel Tampons nicht teuer. Je nach Marke und Packungsgröße legen menstruierende Personen dafür zwischen 0,95 und 4,95 Euro auf den Tisch. Das summiert sich über die Jahre und somit gibt man im Laufe des Lebens bis zu 1200 Euro allein für Tampons aus. Geld, was nicht jede Frau oder menstruierende Person hat. Und da Tampons und Binden einen großen Teil dazu beitragen, dass wir unbemerkt unser kleines Problemchen lösen, heißt das auch: Wer sich weder Tampons, Binden noch andere Periodenprodukte leisten kann, bleibt dem gesellschaftlichen Leben in dieser Phase fern.

Ich für meinen Teil, habe kein Problem, beispielsweise über eine Steuer, dabei zu helfen, dass Frauen, Mädchen und anderen menstruierenden Personen der Zugang zu den entsprechenden Hygieneartikeln ermöglicht wird. Wenn ich mir überlege, was ich mit meinen Steuern alles finanziere, fände ich das endlich mal wirklich sinnvoll.

Bluten ist kein Luxus und kann dennoch für viele Menschen zur Kostenfalle werden. Andere Länder sind da deutlich weiter. In Schottland werden sie an öffentlichen Orten wie Schulen und Universitäten künftig kostenlos verfügbar sein. Es gibt nicht oft die Möglichkeit, die Schotten als Vorbild zu nehmen. In diesem Fall schon!

Binge Wissen zu diesem Thema


Unterwäsche, Cups und Co.: Die Alternativen zu Tampons und Binden

Binden und Tampons kennt man ja. Und auch die Menstruationstasse ist mittlerweile kein unbekannter Begriff mehr. In den letzten Jahren ist der Markt an Menstruationsprodukten deutlich diverser geworden. Vor allem junge Unternehmen und deren Gründerinnen stoßen hier nicht nur neue Formen der Hygiene an, sondern widmen sich dem Thema Menstruation ganzheitlich. Das heißt auch, aufklären, Vorurteile abbauen und die Periode endlich von ihrem Schmuddel-Image zu befreien.

Ich habe mir drei Unternehmen rausgepickt:

Female Company

    • Wer steckt dahinter: Sinja Stadelmaier und Ann-Sophie Claus
    • Produkte: Tampons, Binden, Slipeinlagen, Menstruationstassen (in Bio-Qualität)
    • Mission: „Wir glauben an die neue Generation starker, moderner Frauen! Gemeinsam möchten wir Tabus brechen, die Periode sexy machen und dafür sorgen, dass jede Frau, zu jeder Zeit, an jedem Ort Tampons zur Verfügung hat.“
    • Homepage: www.thefemalecompany.com

Ooia

  • Wer steckt dahinter: Kristine Zeller und Kati Ernst
  • Produkte: Periodenunterwäsche
  • Mission: „Female Empowerment bedeutet für uns, Frauen individuell zu ermutigen, stark zu sein und gewünschte Veränderungen in Angriff zu nehmen. Generell möchten wir zum Nachdenken und Hinterfragen anregen.“
  • Homepage: ooia.de

Nevernot

  • Wer steckt dahinter: Katharina Trebitsch und Anna Koessel
  • Produkte: Softtampons
  • Mission: „Gemäß dem Motto „Not all people who menstruate are women, and not all women menstruate,“ wendet sich nevernot als erste Softtampon Firma nicht nur an Frauen, sondern an alle Menschen, die menstruieren.“
  • Homepage: nevernot.de

Pinky Gloves: Der Gründungsweg ist der Skandal

Ich muss ja zugeben, bei der Vox Sendung „Die Höhle der Löwen“ (DHDL) bin ich schon länger raus. Es ist schlichtweg langweilig geworden. Aber den Pitch von Pinky Gloves musste ich mir dann doch noch einmal ansehen – gesagt, getan.

Mein Fazit: Von Sinn und Unsinn des Produkts will ich gar nicht erst anfangen. Denn bei Pinky Gloves lag das Shitstorm-Potenzial bereits darin, wie die beiden „Frauenversteher“ auf ihre Geschäftsidee gekommen sind. Eugen Raimkulow und André Ritterswürden verbringen aus mir unbegreiflichen Gründen sehr viel Zeit damit, in Toiletten-Mülleimer zu starren. Und was sie dabei in ihrer ersten gemischten WG entdeckten, hat die beiden offensichtlich nachhaltig geprägt. Nachdem der erste Schock verdaut war, haben es sich Eugen und André schließlich zur Aufgabe gemacht, dafür eine Lösung zu finden. Und zwar in Form von pinken Handschuhen, in denen Frau ganz einfach und intuitiv ihre Periodenprodukte einwickeln kann. Auch das wurde bei DHDL sehr eindrucksvoll vorgeführt. Danke dafür, bisher bin ich nämlich an diesem Punkt immer wieder gescheitert.

Mag sein, dass Eugen und André besser schlafen können, wenn im Mülleimer rosa Plastikhandschuhe statt in Toilettenpapier eingerollte Tampons zu sehen sind. Der Haken an der rosaroten Geschichte: Die beiden eröffnen Probleme, wo keine sind. Ich glaube nicht, dass die beiden bewusst Frauen vor den Kopf stoßen wollten. Aber ein offenes Gespräch am WG-Tisch hätte uns allen eine Menge Ärger erspart.

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Tabuthema Periode: Lasst uns das Kind endlich beim Namen nennen

Das muss man der kunterbunten Instagram-Welt zugutehalten. Denn unter den vielen bekannten und unbekannten Influencerinnen gibt es wirklich viele, die ganz offen sagen, wann sie ihre Tage haben und wie es ihn in dieser Zeit geht. Vorbei die Zeiten, in denen Frau ihre monatliche Blutung Erdbeerwoche oder Tante Rosa nennt.

Möchte man meinen, denn ganz so aufgeklärt ist Mann und Frau dann doch noch nicht. Nach wie vor gehört die Menstruation zu den unausgesprochenen Tabuthemen beziehungsweise wird als „Frauenleiden“ abgestempelt. Die Gründe dafür sind vielfältig und fangen doch schon beim Namen an. Allein, dass man sagt ‚Ich habe meine Tage‘ ist ja schon sehr unkonkret. Die Tage sind eigentlich etwas, wovon es 365 im Jahr gibt“, sagt Franka Frei, selbsternannte Menstruationsaktivistin. Die richtige Bezeichnung, nämlich Menstruation, löse Fluchtreflexe aus und werde auch in der Werbung mit keiner Silbe beim Namen genannt.

Aber was können wir – alle – dagegen tun? Erstens: Fangen wir doch damit an, das Kind beim Namen zu nennen: Einmal im Monat habe ich meine Menstruation. Das ist auch für mich nicht die schönste Zeit, das hat aber andere erst einmal nicht zu stören. Zweitens: Lasst uns offen darüber reden. Wir schaffen es doch auch über andere Themen offen zu kommunizieren. Also warum sollten wir dem natürlichen Gang des weiblichen Zyklus einen Maulkorb verpassen? Eben, ich sehe auch keine Gründe dafür! Drittens: Weg mit dem Schamgefühl. Junge Mädchen brauchen sicherlich vieles, aber bestimmt keine schamvolle Beziehung zu ihrem eigenen Körper.

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