Gen-Food: Vom Labor auf den Teller

Gentechnik in Lebensmittel ist für viele Verbraucher und Verbraucherinnen ein sensibles Thema. Die Versprechen der Wissenschaft sind groß, die Ängste bei den Konsumenten aber auch. Dabei ist zumindest die Angst vor Anti-Matsch-Tomaten und Gen-Bananen bisher unbegründet. Die gibt es noch nicht einmal in den USA zu kaufen.


Liebe Leser,

Bergfeststimmung auf Sofawissen! Tatsächlich sind wir für 2021 schon bei Ausgabe 6. Und da der Ober-Couchpotato im Juni Geburtstag hat, darf es diesmal wieder ein Thema sein, bei dem auch die Geschmacksknospen in Stimmung kommen. Richtig, es geht mal wieder ums Essen.

Aber keine Sorge, ich wärme nicht einfach Ausgabe 1 vom Januar neu auf. Diesmal geht es einen Schritt weiter. Denn was passiert, wenn man Lebensmittel und Gentechnik kombiniert? Richtig, wir haben ein hochemotionales Thema: Gen-Food! Ich halte mich an dieser Stelle bewusst kurz, denn ich habe euch diesmal wirklich sehr viele spannende Texte rausgesucht.

Viel Spaß beim Lesen!


Gen-Food: Wovon sprechen wir dabei eigentlich?

Damit man sich eine Meinung zu Gen-Food bilden kann, sollte zunächst geklärt werden, worum es dabei geht. Gen-Food ist ein umgangssprachlicher Begriff für gentechnisch veränderte Lebensmittel und solche, die aus gentechnisch veränderten Organismen (zum Beispiel Nutzpflanzen und -tiere) bestehen oder enthalten. Häufig geht es bei dem Einsatz von Gentechnik in der Lebensmittelproduktion darum, den wirtschaftlichen Wert von Agrargütern zu verbessern, beispielsweise durch schnelleres Wachstum oder der Ausbildung von Resistenzen gegenüber von Schädlingen.

Zu den Nutzpflanzen zählen unter anderem Sojabohnen, Mais und Kartoffeln. Wer sich nicht nur von Obst und Gemüse ernährt, könnte im Supermarkt auch schon mal einem transgenen Lachs begegnet sein. Und auch in der Süßwarenabteilung finden sich Beispiele für Gen-Food – zumindest in den USA. Unter anderem enthält der Schokoriegel Butterfinger von Nestlé neben reichlich Kalorien auch genetisch veränderten Mais und Soja.

Manchmal geht es auch darum, das Lebensmittel selbst zu optimieren Eins der bekanntesten Beispiele ist die Anti-Matsch-Tomate (= Flavr-Savr-Tomate). Ihr Erbgut wurde so verändert, dass die Reifung ganz normal verläuft, aber das zellwandabbauende Enzym Polygalacturonase, welches für das Weichwerden der Tomate verantwortlich ist, nicht beziehungsweise nur in geringen Mengen gebildet wird.

Binge Wissen: Was ist Gen-Food?


gv-Lachs: Dr. Frankenfischs Monster

Ich persönlich mag Fisch oder Meeresfrüchte nicht wirklich. Das höchste der Gefühle sind Fischstäbchen oder Backfischfilets. Ich mag weder den Geruch noch die Konsistenz. Kurz um: Fisch schmeckt mir nicht. Aber es gibt ja genügend Menschen, die verspeisen im Jahr eine ganze Unterwasserwelt; etwa 13,2 kg Fisch pro Kopf wurden 2019 in Deutschland konsumiert. Zu den beliebtesten Fischarten zählten Lachs (18,8 Prozent), Alaska-Seelachs (17,7 Prozent) sowie Thunfisch (11,4 Prozent).

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über Fakten – außer man heißt Donald Trump – jedoch nicht. Und auch wenn ich dem einen oder anderen damit kräftig die Bouillabaisse versalze: Die Fischproduktion befindet sich weltweit in der Krise. Während die Nachfrage steigt, sinken weltweit die Fangquoten. Die Welternährungsorganisation (FAO) schätzt, dass von den weltweiten Fischbeständen 52 Prozent bis an ihre Grenze genutzt, 17 Prozent überfischt und sieben Prozent bereits erschöpft sind. Wissenschaftler warnen, dass 90 Prozent der großen Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch oder Kabeljau bereits aus den Meeren verschwunden sind und prognostizieren einen Kollaps der kommerziell genutzten Fischbestände bis zum Jahr 2048.

In den USA geht man dieses Problem pragmatischer an. Hier heißt die Lösung: Gentechnik. So gab die FDA bereits 2015 grünes Licht für den Verkehr von gentechnisch veränderten Lachs (gv-Lachs). Anders als seine freilebenden Artgenossen schüttet der Laborlachs das ganze Jahr über Wachstumshormone aus und wächst dadurch doppelt so schnell. Geschmacklich soll alles beim Alten bleiben. Mögliche gesundheitliche Auswirkungen für den Menschen und die Tiere seien ebenso ausgeschlossen.

Die Zulassung von gv-Lachs schmeckt jedoch nicht jedem. Insbesondere Umweltgruppen und Fischereiverbände lehnten dessen Zulassung ab. Sie befürchten, die Tiere könnten aus den Zuchtfarmen entweichen und die in den freien Gewässern lebenden weniger großen Artgenossen verdrängen. Die FDA selbst schätzt dieses Risiko jedoch als sehr gering ein. Was nicht heißt, dass es nicht doch einen Free-Willy-Lachs gibt, der dem Ruf der Freiheit folgt. Welche Folgen so ein Ausbruch auf die Wildpopulation hat, lässt sich heute nicht sagen. Darüber müssen sich deutsche Gourmets aber ohnehin noch keine Gedanken machen. In Europa bleibt der Verkauf von gv-Lachs wohl auf Dauer verboten.

Binge Wissen gv-Lachs


Crispr/cas9: Ist das noch Gen-Food?

Nun entwickeln sich nicht nur unsere Essensgewohnheiten weiter, sondern auch die biotechnologischen Werkzeuge, mit denen sich Organismen verändern lassen. Und nicht jedes Unternehmen, das Gen-Food mit neuen Techniken wie beispielsweise der Genschere Crispr/Cas9 herstellt, möchte diese nach den alten Standards kennzeichnen. Verständlicherweise, denn der Verbraucher neigt ja nun einmal dazu, lieber Produkte ohne offensichtlichen Gentechnikeinsatz zu kaufen.

Das EuGH entschied 2018 im Sinne der Verbraucher: Demnach muss auch Crispr-Food gekennzeichnet werden. Auch Lebensmittel, die mithilfe der Genschere verändert wurden, unterliegen dem geltenden EU-Gentechnikgesetzt – ausnahmslos. Das stößt jedoch zunehmend auf Kritik. Im Kern geht es vor allem darum, dass sich der Gesetzrahmen nicht am Tempo des Fortschritts orientiert. Heutige Verfahren seien mit den Anfängen der Gentechnik nicht zu vergleichen. Deren Kritiker mögen das als Argument allerdings nicht zulassen. Die gestiegene Präzision sei keineswegs ein Zeichen dafür, dass die Risiken geringer sind. Im Gegenteil: Im Labor werde oft nicht nur eines der Verfahren angewendet, sondern mehrere. Solche Eingriffe ins Erbgut der Pflanzen zeigten unerwartete Nebenwirkungen.

Binge Wissen Crispr-Food

 

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