Shein: Die neue Fast-Fashion-Supermacht

Europas Fashion-Jugend versinkt in einem Berg aus chinesischer Wegwerfmode. Das liegt nicht an irgendwelchen neuen Schüleraustauschprogrammen, sondern an dem Onlinehändler Shein. Das Label lässt selbst Zara, H&M und Co. in Sachen Fast Fashion alt aussehen.

Alles muss raus! Bei Shein offenbar auch die Moralvorstellungen

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte den folgenden Blogbeitrag mit einer Beichte beginnen: Ich bin ein Instagram-Opfer. Zum Teil verbringe ich Stunden damit, mir Fotos und Videos von mehr oder weniger bekannten Menschen anzugucken. Mittlerweile schwankt das soziale Foto-Netzwerk ja zwischen Homeshopping-Kanal und Reality TV. Schneller als ich„Rechnungskauf mit Klarna“ sagen kann, sind Gewürze, Putztabs und Kleidungsstücke auf dem Weg zu mir.

Nur bei einer Marke war ich von Anfang an kritisch: Shein. Mich überzeugen weder die Klamotten noch die Idee, dass der Billigkram aus China zu mir nach Hause kommt. Ich bin bestimmt keine Fanatikerin in Sachen Nachhaltigkeit, aber da sag selbst ich: Das muss doch nicht sein.

Aber nun gut, mit meinen 33 Jahren gehöre ich wahrscheinlich ohnehin nicht zur Zielgruppe. Dennoch wolle ich mehr über den Fashion-Konzern, der so viele Mädchen und junge Frauen überzeugt, wissen. Kleiner Spoiler: Das war nicht viel Gutes. Den Rest erfahrt ihr im Beitrag sowie im Binge Wissen unter dem Artikel.

Viel Spaß beim Lesen, Hören und Gucken!

Wer steckt hinter Shein?

Hätte ich keinen Instagram-Kanal, ich würde die „Modemarke“ Shein wohl auch nicht kennen. Glück im Unglück: Auch ich folge einer Influencerin, die mir regelmäßig die supergünstigen Teile des chinesischen Online-Shops präsentiert. Das sind dann aber auch fast schon alle Informationen, die ich auf die Schnelle erhalte. Auch eine intensive Google-Recherche bringt einem nicht wirklich weiter; lange gab es nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag. Bevor wir tiefer in die Materie von Shein eintauchen, hier zunächst einmal die wichtigsten Daten zum Unternehmen:

  • Name: Shein Group Ltd.
  • Branche: E-Commerce
  • Gründung: 2008
  • Gründer: Chris Xu
  • Sitz: Guangzhou (Volksrepublik China)
  • Mitarbeiterzahl: ca. 1000 (2020)
  • Umsatz: ca. 10 Mrd. US-Dollar

Die Biografie von Gründer Chris Xu ist ebenso undurchsichtig wie die Lieferketten seines Unternehmens. Mal heißt es, er sei in den USA geboren und habe an der Washington University studiert. Andere Quellen behaupten hingegen, er sei in der Provinz Shandong geboren und habe an der Qingdao University of Science and Technology studiert. Man könnte ihn fragen, aber der Mann ist ein Phantom. Er gibt weder Interviews noch lässt er sich gerne fotografieren.

Auch das Impressum der deutschen Website macht nicht schlauer. Und dennoch: So manche Details des so verschwiegenen Unternehmens sickern dann doch durch, zum Beispiel der geplante Börsengang. Spätestens dann müsste Shein aufgrund der regulatorischen Anforderungen deutlich transparenter werden.

Warum ist Shein so erfolgreich?

Was wahrscheinlich nicht viele von euch wissen, außerhalb meines Wohlfühlradius, dem rosa Sofa, arbeite ich als Redakteurin für Print und Online. Und als solche weiß ich: Erfolg misst sich im Internet nicht nur in Euros oder Dollars. Hier gibt es noch andere Währungen, zum Beispiel UserInnen, Seitenaufrufe und FollowerInnen in den sozialen Netzwerken.

Obwohl für viele Menschen jenseits der 30 Shein weitestgehend unbekannt bleibt, ist die Homepage zurzeit die erfolgreichste im Bereich Fashion

Laut den AnalystInnen von Similarweb ist die Shein-Homepage die derzeit meistaufgerufene Fashion-Seite weltweit. Und auch was die Zahlen der App-Downloads angeht müssen sich Asos, Zara und H&M geschlagen gegeben. Nur bei Instagram hat der chinesische Konzern (noch) das Nachsehen.

UnternehmenSeitenaufrufeApp-DownloadsInstagram
Asos72.27 MillionenÜber 10 Millionen12,4 Millionen
H&M104.76 MillionenÜber 50 Millionen37,9 Millionen
Shein137.44 MillionenÜber 100 Millionen22,4 Millionen
Zara82.41 MillionenÜber 10 Millionen47,6 Millionen
Stand: 5. Dezember 2021

Diese Zahlen kommen nicht von ungefähr. Zum einen verdankt Shein sein Erfolg einem sehr erfolgreichen InfluencerInnen-Marketing. Und zum anderen betreibt das Unternehmen eine sehr aggressive Preispolitik – vier Euro für ein Top, 7 Euro für ein Kleid oder 10 Euro für eine Bluse. Dank diverser Rabattcodes werden die Preise noch weiter gesenkt. Es ist eigentlich kein InfluencerInnen-Code nötig, um bei Shein kräftig zu sparen. Zugegeben, es braucht dann einige Teile, um die 39 Euro für den kostenlosen Versand zusammenzukriegen. Aber was soll der Geiz? Mehr ist mehr! Das gilt vor allem dann, wenn der Versand teurer als das bestellte T-Shirt ist.

Alles nur gekaut

Neben diesen unschlagbar günstigen Preisen ist bei Shein zudem die gigantische Masse an Klamotten eine wichtige Zutat des Erfolgsrezepts. Einer Pressemitteilung zufolge nimmt Shein jeden Tag 500 neue Kleidungsstücke ins Sortiment – jedes Design folgt dem aktuellen Trend.

Mehr ist mehr: Obwohl die Pandemie zu einem Rückgang der Produkteingänge führte, übertraf die Anzahl der derzeit auf der Shein US-Website verfügbaren Modelle die für 2020 um 153 % und die für 2019 um 370 %.

So viele Styles, die kann man ja gar nicht alle selbst designen. Womit wir auch schon beim nächsten trendigen Geheimnis von Shein sind. Das Unternehmen ist offen für Inspirationen beziehungsweise bedient es sich schlichtweg bei anderen Designern. Das Format „offen un‘ ehrlich“ von Funk hat dazu ein sehr informatives sowie unterhaltsames Video gemacht. Dieses und weitere Lese-, Guck- und Hörempfehlungen findet ihr unter dem Beitrag (Binge Wissen Shein).

Dreckiges Geschäft

Es sollte eigentlich mittlerweile jedem klar sein, dass Preise wie bei Shein und Co. nicht mit angemessenen Arbeitsbedingungen und nachhaltigen Rohstoffen kompatibel sind. Dennoch hebt der chinesische Ultra-Fast-Fashion-Konzern Ausbeutung auf ein ganz neues Level.

Genäht werden die Kleidungsstücke zum Teil in Hinterhofwerkstätten in der südchinesischen Provinz Guangdong. Der Tag der Arbeiterinnen beginnt um acht Uhr morgens und endet 23:30 Uhr – zwei kurze Pausen inklusive. Pro Monat bekommen sie dafür umgerechnet 820 Euro sowie gerade mal einen Tag frei. Insgesamt ergibt das im Schnitt über 75 Arbeitsstunden pro Woche. Dabei ist das chinesische Arbeitsrecht streng: Demnach darf eine Arbeitswoche maximal 44 Stunden betragen (Artikel 36), die Überzeit darf pro Monat 36 Stunden nicht überschreiten (Artikel 41) und pro Woche muss es mindestens einen freien Tag geben (Artikel 38).

Binge Wissen Shein

Artikel

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