Archiv der Kategorie: Halbmarathon 2016

Die Stunde der Wahrheit

Das erste Mal ist immer etwas Besonderes. Der erste Schultag. Der erste Schwarm. Bei mir war es Lee Baxter von Caught in the Act. Und nein, ich schäme mich nicht dafür. Das war eine ganz tolle Boyband. Vielleicht waren die vier Jungs nicht ganz so talentiert wie die Mitglieder von N’Sync oder den Backstreet Boys; hatten aber durchaus ihre Daseinsberechtigung. Aber weiter im Text. Der erste Tag im Studium. Der erste Tag im neuen Studium. Die erste eigene Wohnung. Der erste Halbmarathon!

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Doping aus dem Vollautomaten

Kaffee, Latte Macchiato, Cappuccino, Espresso – mit oder ohne Zucker. Ich bin ein Kaffeejunkie.Und während ich gerade meinen Filterkaffee aus meiner wunderschönenen Audrey Hepburn Tasse trinke, machen das 2314 andere hierzulande auch. Denn laut Kaffeereport trinken die Deutschen pro Sekunde 2315 Tassen Kaffee, durchschnittlich vier Tassen pro Tag.

Morgens, mittags, abends – ohne Kaffee geht bei mir eigentlich nichts. Am besten schmeckt er natürlich aus meiner Audrey-Tasse (© sofawissen.com)

Morgens, mittags, abends – ohne Kaffee geht bei mir eigentlich nichts. Am besten schmeckt er natürlich aus meiner Audrey-Tasse (© sofawissen.com)

Ohne meine morgentliche Dosis Koffein geht eigentlich gar nichts. Dementsprechend überrascht bin ich, wenn ich bei Leuten zu Besuch bin, die keine Maschine – ja noch nicht mal einen Handfilter – haben. Was stimmt mit euch nicht? Für solche Fälle hab ich jetzt immer Kaffeesticks dabei. Gut, man könnte auch gleich sein Leitungswasser einfärben; geschmacklich macht das wahrscheinlich keinen Unterschied. Aber um an meiner Tagesroutine festzuhalten, ist das erstmal die einfachste Alternative.

Energiekick oder Nährstoffräuber?

Auch vor dem Sport trinke ich gerne ein Tässchen. An der Wirkung von Kaffee scheiden sich jedoch die Geister. Während manche Sportler auf eine Tasse Kaffee vor dem Joggen zur Leistungssteigerung schwören, haben andere Läufer Bedenken, dass mögliche Nebenwirkungen dem Trainingserfolg im Wege stehen.

Fakt ist, Koffein stimuliert das Nervensystem und hält wach, indem es die Produktion des Hormons Noradrenalin anregt. Etwa 30 Minuten nach dem Kaffeegenuss erreicht das Alkaloid aus der Stoffgruppe der Xanthine seine maximale Wirkung. Eine Tasse eine halbe Stunde vor dem Joggen kann also Kraft und Ausdauer während des Laufens verbessern. Auch nach dem Training hat die Tasse Kaffee durchaus einen positiven Effekt: Das Koffein hilft dabei, Energie im Muskel zu speichern.

Buntes Leitungswasser schmeckt wahrscheinlich auch nicht anders. Eine Alternative zu echtem (!) Kaffee sind die Sticks nicht wirklich, aber immer noch besser als gar kein Kaffee (© sofawissen.com)

Buntes Leitungswasser schmeckt wahrscheinlich auch nicht anders. Eine Alternative zu echtem (!) Kaffee sind die Sticks nicht wirklich, aber immer noch besser als gar kein Kaffee (© sofawissen.com)

Ob Kaffee allerdings auch den langfristigen Trainingseffekt steigert, ist bislang nicht geklärt. Daher wird er sich als Dopingmittel wohl nicht durchsetzen. Vielleicht auch besser so. Denn wie immer gilt: Zu viel davon ist auch nicht gesund.

Für die nächste Party hab ich jetzt noch was aus der Kategorie „Unnützes Wissen“. Bis 2004 stand Koffein sogar auf der auf der Antidopingliste der Welt-Antidoping-Agentur (WADA). Damit ein Sportler gesperrt wurde, mussten beim Dopingtest jedoch ziemlich große Mengen (12 mg pro Liter Urin) nachgewiesen werden.

Vollrausch

Er kann nach einer Stunde kommen oder nach anderthalb. Der tote Punkt. Der Moment, wenn du denkst, du kannst nicht mehr und trotzdem läuft es wie geschmiert. Bei mir kam dieser Moment letzten Donnerstag: mein erster Runners High.

Runners High: Wenn alles fließt und man quasi von alleine läuft (© Pixabay)

Runners High: Wenn alles fließt und man quasi von alleine läuft (© Pixabay)

Es sollte ein kleines Workout am Abend werden. Einfach mal den Kopf frei kriegen und nach einem ganzen Tag in der Redaktion nochmal ein bisschen Bewegung. Erst packte mich der Ehrgeiz; dann die Euphorie. Und nach 90 Minuten lief ich quasi von alleine. Als ich Zuhause ankam, kribbelte es im ganzen Körper – sogar in den Ohren. Doch statt Erschöpfung überwiegte ein anderes Gefühl. Glück! Wie im Vollrausch, nur ohne Drogen oder andere Substanzen.

Das kriegst du mit Alkohol gar nicht hin
Selbst unter Alkohol habe ich so einen Rausch noch nie erlebt. Und glaubt mir, da waren einige heitere Stunden mit Sekt, Wein & Co. dabei 😉 Nein, dieser Rausch war anders. Er kam direkt von innen. Und trotz Erschöpfung fühlte sich alles irgendwie leicht an. Sogar meine über zwei Stunden geschundenen Beine konnten dem nichts anhaben.

Während der Sportler in mir, sich mit diesem Glücksgefühl einfach zufrieden gab, wollte es der Nerd in mir genauer wissen. Kann man vom Laufen high werden? 

Endorphin vs Adrenalin
Lange Zeit wurden Endorphine für die Glücksmomente beim Sport verantwortlich gemacht. Allerdings ist diese Theorie nicht ganz unbestritten. Ob sie wirklich für das Wohlbefinden verantwortlich sind, kann laut Kritikern niemand so genau sagen. Hinzu kommt, dass sie eigentlich eine ganz andere Aufgabe haben. Die körpereigenen Morphine sorgen unter anderem dafür, dass man bei Verletzungen weniger Schmerz spürt. Sie sind Schmerzstiller, keine Wohlfühler.

Ein weiterer heißer Kandidat für den Rausch beim Laufen ist Adrenalin. Es gehört neben Dopamin und Noradrenalin zu den Katecholaminen, die in Zellen des sympathischen Nervensystems und im Mark der Nebenniere hergestellt werden. In Gefahren- und Stresssituationen wird das in verschiedenen Organen gespeicherte Hormon ins Blut ausgeschüttet. Ein erhöhter Adrenalin-Ausstoß hat auf den Körper verschiedene Auswirkungen: Steigerung der Herzfrequenz, Anstieg des Blutdrucks, Erweiterung der Atemwege, erhöhte Durchblutung der Muskulatur und Minderung der Magen-Darm-Tätigkeit. Bei Extremsportarten wie Bungee-Jumping, Rafting, Fallschirmspringen oder einem Marathon-Lauf versetzt der erhöhte Adrenalin-Ausstoß den Menschen sogar in einen regelrechten Rauschzustand.

Mein neues Outfit sorgt auch für gewisse Glücksmomente (© sofawissen.com)

Mein neues Outfit sorgt auch für gewisse Glücksmomente (© sofawissen.com)

Was genau den Runners High beim Laufen auslöst, dafür gibt es unterschiedliche Theorien. Und auch an potentiellen Kandidaten mangelt es nicht. Ob es an den Endorphinen oder am Adrenalin liegt, kann den Läufern grundsätzlich egal sein. Denn die positive Wirkung von sportlicher Bewegung wird wohl kaum einer in Frage stellen. Und was mich betrifft. Ich werde mich gleich in meines Sportoutfit werfen und eine Runde laufen – mit oder ohne Runners High.

Kopfsache

Aua! Mein Kopf! Die letzte Weinschorle hätte es wohl gestern nicht mehr gebraucht. Und angesichts meines Katers war an Laufen heute eigentlich nicht zu denken. Eigentlich ….

Kleine Energiebündel: Ob es an den Energyballs lag .... (© sofawissen.com)

Kleine Energiebündel: Ob es an den Energy Balls lag …. (© sofawissen.com)

Ich weiß nicht woran es lag. Vielleicht an dem Energy Ball, den ich mir zu meiner morgentlichen Tasse Kaffee gegönnt habe? Das schlechte Gewissen? Oder doch der Restalkohol? Ich kann es nicht sagen. Auf jeden Fall hab ich mich in meine pinke Sportshort geworfen und bin losgelaufen. Erst Richtung Flaucher, um ein bisschen warm zu werden. Und da merkte ich schon, heute ist durchaus mehr drin. Also bin ich weiter gelaufen.

Entlang der Isar, dann ein Stück durch den Englischen Garten, vorbei am Marienplatz und Viktualienmarkt. München ist einfach eine tolle Stadt zum Laufen. Irgendwann kam dann aber doch der Durst. Gefühlt bin ich drei Stunden gelaufen. Das lag aber wahrscheinlich eher an meinem Kater. Denn tatsächlich waren es „nur“ fast 105 Minuten und 12 km. Na bitte, geht doch! Das nächste Ziel: 15 km.

... dass ich heute fast 12 km gelaufen bin (© sofawissen.com)

… dass ich heute fast 12 km gelaufen bin (© sofawissen.com)

Bis zum Halbmarathon ist es ja auch gar nicht mehr so lange. Ich glaube aber, dass Laufen – zumindest bei mir – viel mit dem Kopf zu tun hat. Weniger mit der Fitness. Natürlich muss diese auch mitspielen. Ganz ohne Training und Ausdauer schafft man dann wohl doch keine 21 km. Und dennoch ist es oft mein Dickschädel, der entscheidet, ob ich noch kann beziehungsweise noch will. Und heute wollte ich!

Early Bird mit Egoproblemen

Es ist immer die gleiche Reaktion: „Du gehst wirklich morgens laufen? Bewundernswert!“ Dazu ein skeptisch fragender Blick, ob nicht doch irgendwas mit mir nicht stimmt. Ich kann euch beruhigen. Soweit ich weiß, ist kopfmäßig alles in Ordnung bei mir.

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Morgens laufen: Für mich der ideale Start in den Tag (© sofawissen.com)

Für mich ist ein Guten-Morgen-Training (meist 40-50 Minuten) einfach der ideale Start in den Tag. Zudem ist morgens an der Isar deutlich weniger los. Ich weiß nicht, wie es anderen geht. Aber manchmal stressen mich so viele Läufer und Fahrradfahrer auf einmal. Dabei sollte ich mich so langsam an den Gedanken gewohnen, dass ich beim Halbmarathon am 9. Oktober auch nicht alleine auf der Strecke bin. Aber wie sagte mein Kollege so schön: „Wenn dir die Zeit egal ist, dann bist du ganz schnell alleine“.

Natürlich heißt morgens joggen, auch früher aufstehen. Das fällt mir nicht immer leicht. Doch der Körper und der innere Schweinehund gewöhnen sich dran. Und mit der richtigen Vorbereitung ist die Belohnung danach ein leckeres Frühstück. In letzter Zeit habe ich Overnight Oats für mich entdeckt. Schmeckt, macht satt und ist abends super schnell vorbereitet. Mein Favorit: Banane mit veganem Kokosjoghurt und Pfirsich – yummy!

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Overnight Oats: Schmeckt, macht satt und ist super schnell gemacht (© sofawissen.com)

Aber ist Morgensport eigentlich gesund? Wäre ein Late-Night Workout nicht doch besser? Da scheiden sich die Geister. Im Internet finden sich zu beiden schlüssige Gründe und wüste Theorien – sowohl dafür als auch dagegen. Ich denke, es ist vor allem eine Typ-Sache. Schon während meines Studiums habe ich lieber am Morgen und tagsüber gelernt. Bis spät in die Nacht Formeln lernen, Programmcodes oder Bachelorarbeit schreiben, das war nichts für mich. Lieber bis 18 oder 19 Uhr konzentriert arbeiten und danach den Abend genießen. Ich habe eben gerne Feierabend. Das gilt heute im Job ebenso wie beim Training.