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Fossile Wärmequelle mit Zukunftspotential

Deutschland gehört zu den größten Gasmärkten Europas. Noch wird Erdgas fast ausschließlich zum Heizen verwendet. Dabei könnte es aufgrund seiner vielen positiven Eigenschaften auch in der Energiewende und Reduzierung der Erderwärmung eine entscheidende Rolle einnehmen. Dabei steht auch das Bio-Gas im Fokus von Regierung und Forschung.

Wenn die Tage wieder kürzer werden und die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, dann schalten 50 Prozent der deutschen Haushalte ihre Erdgasheizung an. Seit Jahren gehört diese Heizmethode zu den beliebtesten und auch kostengünstigsten. Doch woher kommt das Erdgas und wie sicher ist die bundesweite Versorgung auch in den zukünftigen Wintern?

Wenn es draußen wieder kälter wird, sehnen wir uns Zuhause nach Wärme (© marie-curie.com)

Wenn es draußen wieder kälter wird, sehnen wir uns Zuhause nach Wärme (© sofawissen.com)

Wärmequelle Nummer Eins
Nach Aussagen des Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft e.V. ist die Gasversorgung der Bundesrepublik sehr gut aufgestellt. „Deutschland bezieht Erdgas aus unterschiedlichen Lieferländern, über verschiedene Lieferrouten und hat die höchste Speicherkapazität in der Europäischen Union.“ Dies zeigt jedoch auch einen erheblichen Nachteil. Deutschland ist in Sachen Erdgas vom Ausland und guten Beziehungen zu den Lieferländern abhängig. Aktuelle Zahlen des BDEW zeigen, dass 90 Prozent aus dem Ausland bezogen werden. Den größten Teil des ausländischen Erdgases beziehen wir dabei aus Russland, den Niederlanden und Norwegen. Ein weitere Nachteil von Erdgas ist, dass es sich dabei um einen fossilen Energieträger handelt. Jedoch verursacht es deutlich weniger CO2-Emissionen als beispielsweise das Heizen mit Öl. Weitere Vorteile sind die geringen Kosten, die hohe Energieausbeutung und die garantierte Versorgungssicherheit. Vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie heißt es dazu: „Langfristige Gasimportverträge geben den Produzenten Sicherheit über zukünftige Absatzmengen und werden als Finanzinstrument für die erforderlichen hohen Investitionen in Exploration, Produktion und Infrastruktur eingesetzt“.

Doch Erdgas spielt nicht nur auf dem Wärmemarkt eine entscheidende Rolle. In vielen Branchen und Märkten ist es schon heute ein wichtiger Rohstoff und wird für die Energiewende ein wichtiges Hilfsmittel.

Warme Socken allein reichen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt leider nicht aus (© marie-curie.com)

Warme Socken allein reichen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt leider nicht aus (© sofawissen.com)

Ein vielseitiger Einsatzstoff
Nach Ansichten des BMWi zeichnet sich Erdgas neben seiner Funktion als Einsatzstoff in der Chemieindustrie auch als flexibler und vielfältiger Energieträger für die Stromerzeugung, die Energiespeicherung und als Ausgleichsspeicher für regenerativen Strom aus. Als kostengünstiger und klimafreundlicher Treibstoff spielt er auch bei der Mobilität eine immer wichtigere Rolle. Dies ist vor allem hinsichtlich der steigender Öl-Preise eine positiver Trend. Doch genauso wie Erdöl ist auch Erdgas kein Stoff, der in unbegrenzten Mengen zur Verfügung steht. Chemisch identisch und mit den gleichen positiven Eigenschaften versehen, ist Bio-Gas eine gute Alternative. Doch anders als das natürlich vorkommende Erdgas entstand dieses nicht vor mehreren 100 Millionen Jahren und muss tief unter Erde gefördert werden. Nachteil: Bis aus Biomasse unter Mithilfe von Mikroorganismen der wichtige Rohstoff entsteht, sind heute noch viele und aufwändige Prozesse nötig. Dabei wird Bio-Gas die mit Abstand beste CO2-Bilanz bescheinigt. Die Pläne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sehen vor, dass der Anteil an Bio-Gas im Erdgasnetz bis zum Jahr 2030 auf zehn Prozent ansteigt. Erdgas, Bio-Gas sowie Wasserstoff und synthetisches Methan sollen dann zu einer riesigen Energiequelle zusammengeführt werden.

Anmerkung: Der Artikel erschien in ähnlicher Form im Reflex-Wärmeratgeber (Die Welt, 17. November 2014) 

Smarte Helfer bei der Energiewende

Auf die Hülle kommt’s an – auch bei der Energiewende. Denn immer häufiger wird die Außenhaut selbst Bestandteil des Energiekonzeptes. Forschung und Wirtschaft entwickeln neue, smarte Materialien, die helfen, Energie zu sparen oder neue zu generieren – so zum Beispiel bei Autos und Gebäuden.

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Klimawandel, Energiewende und Ressourcenknappheit stellen unsere Gesellschaft und Technologien vor neue Herausforderungen. Um Stillstand bei der Entwicklung von energiesparenden Techniken zu vermeiden, zeichnet sich immer deutlicher ein neuer Trend ab. Zukünftig fahren wir Autos und wohnen in Häusern, die uns sowohl von innen als auch von außen dabei helfen, Energie zu sparen.
In der Ära der Energiewende kommt es bei Autos darauf an, dass sie weniger Benzin verbrauchen. Um das zu erreichen werden nicht nur die Motoren immer spritsparender – die Autos werden auch immer leichter. Neue Materialien sollen die gleiche Stabilität und Festigkeit aufweisen, das Gewicht aber erheblich reduzieren. So wird auch der Kraftstoffverbrauch minimiert. Bis zu 0,6 Liter je 100 Kilometer können Autofahrer einsparen, deren Wagen aus Faserverbundswerkstoffen, Carbon oder Aluminium gefertigt sind. Die Werkstoffe sind zwar gut für den Automobilbau geeignet, haben jedoch auch Nachteile: „Die Verarbeitung ist aufwendig und kompliziert – ein großer Teil der Arbeit wird immer noch von Hand erledigt“ sagt Birgit Niesing vom Fraunhofer Institut.

Leichte Autos lernen von der Natur
Beim Autobau fokussiert man sich jedoch nicht nur auf Motor und Karosserie. So arbeitet zum Beispiel DaimlerChrysler derzeit daran, das Auto zu einer fahrenden Solarzelle zu machen. Der aus bestimmten Farbstoffen bestehende Solar-Lack soll nach Vorbild der Fotosynthese, die Sonnenenergie zur Stromerzeugung nutzen. So könnte der Spritverbrauch um 0,5 Liter je100 Kilometer reduziert werden.
Doch nicht nur beim Auto, auch bei Gebäuden steht die Hülle im Fokus – vor allem im Bereich der energetischen Sanierung.

Haus im GrasHausfassaden als Teil des Energiekonzeptes
Dämmstoffe wie Holz, Hanffaser und neuerdings sogar Seegras zielen darauf, den Energieverlust im Haus so gering wie möglich zu halten. Die Fassade selbst zu einem Teil des Energiekonzeptes werden zu lassen, daran forscht unter anderem die IBA Hamburg. Sie hat dafür das Projekt „Smart Material Houses“ ins Leben gerufen. Smart Materials sind neue, intelligente Baustoffe, die Gebäude dynamisch auf Umweltveränderungen reagieren lassen. So können Fassaden-Glaselemente, in denen Mikroalgen gezüchtet werden, Sonnenenergie in Wärmeenergie und Biomasse umwandeln. Dächer und Fassaden werden zukünftig nicht nur vor Regen, Wind und Kälte schützen sondern durch Photovoltaik, Solarthermie und Bioreaktoren das Gebäude zum eigenen Kraftwerk machen und einen Großteil der benötigten Energie selbst erzeugen, meint IBA-Projektkoordinator Jan Gerbitz.

Anmerkung: Der Artikel erschien in ähnlicher Form im Reflex Energieratgeber (Handelsblatt, 18. Juni 2014)