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Schluss mit Zurückhaltung

Verpacker, Maschinen- und Folienhersteller diskutierten an den Freisinger Tagen am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV über Möglichkeiten und Grenzen des Recyclings von Lebensmittelverpackungen. Dabei gilt: Was technisch möglich ist, darf nicht an Kosten und politischen Vorgaben scheitern.

Praktisch, aber leider nicht sehr umweltfreundlich: Damit Ellen MacArthurs Warnung nicht wahr wird, sind alle gefragt – Rohstoffhersteller, Verpacker sowie Politik und Verbraucher (© Messe Düsseldorf)

Praktisch, aber leider nicht sehr umweltfreundlich: Damit Ellen MacArthurs Warnung nicht wahr wird, sind alle gefragt – Rohstoffhersteller, Verpacker sowie Politik und Verbraucher (© Messe Düsseldorf)

Ellen MacArthur wirkt eher unscheinbar. Die britische Seglerin und Umweltschützerin gehört nicht zu den Frauen, die auf den ersten Blick nach Aufmerksamkeit schreien. Und doch muss MacArthur nicht einmal einen Raum betreten, um präsent zu sein. Zu beobachten war das unter anderem bei der Veranstaltung „Lebensmittelverpackungen im Kreislauf“ des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV und der Imdustrievereinigung für Lebensmitteltechnologie und Verpackung (IVLV) vom 21. bis 22. Februar 2017 in Freising. MacArthurs Behauptung, dass 2050 mehr Kunststoff als Fisch in unseren Meeren schwimmt, hallt in der Branche auch ein Jahr nach ihrem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos nach.

40 Konzerne haben Anfang 2017 eine Absichtserklärung unterzeichnet: Sie wollen weniger und umweltfreundlicheren Kunststoff einsetzen. Und stellen klar, dass 20 % der weltweiten Kunststoffproduktion mit Gewinn wiederverwertet und weitere 50 % recycelt werden könnten, statt auf Müllkippen oder in den Gewässern zu landen. Neben Coca Cola, Danone oder Dow Chemical gehört auch Unilver zu den Mitgliedern der Initiative. Der Konsummittelhersteller geht sogar einen Schritt weiter und verpflichtet sich bis 2025 nur noch 100 % wiederverwendbare, recyclingfähige oder kompostierbare Verpackungen zu verwenden.

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Zu intelligent für die Sortieranlage

Durch den Einsatz aktiver Komponenten werden Verpackungen mit Eigenschaften ausgestattet, die über ihre herkömmlichen Funktionen hinausgehen. So schützen Sauerstoffabsorber das Produkt vor Verderb und Indikator-Etiketten sollen den Zustand von Produkten anzeigen. RFID-Kennzeichnungen dienen als Diebstahlsicherung und Informationsträger. Was für den Inhalt und letztendlich für den Verbraucher positiv ist, kann beim Recycling Probleme bereiten […]

Den vollständigen Beitrag findet ihr hier

Gesucht: Echte Alleskönner

Eine boomende Auftragslage und höhere Ansprüche stellen die Baustoffbranche vor neuen Herausforderungen. Moderne Baustoffe sollen sowohl ausgezeichnete Dämmeigenschaften und Stabilität aufweißen als auch nachhaltig sein. Dementsprechend sind Materialien gefragt, die universell einsetzbar sind und mit gleicher Qualität immer wiederverwendet werden können.

Über einen Mangel an Aufträgen kann sich die Bauwirtschaft nicht beschweren. Allein im Jahr 2014 entstanden bundesweit 215.000 Wohnungen in neu errichteten Wohngebäuden, bis 2016 werden weitere 45.000 hinzukommen. Doch nicht nur der Bauboom stellt die Branche vor neue Herausforderungen. Gestiegene Ansprüche an Raumkomfort, Sicherheit, Nachhaltigkeit sowie Ressourcenschonung erfordern neue Materialien und innovative Lösungen.

Rohrkolben (Typha) in seinen unterschiedlichen Verarbeitungsstufen. Rechts oben ist die Dämmplatte zu sehen. (© Fraunhofer IBP)

Typha in seinen unterschiedlichen Verarbeitungsstufen (© Fraunhofer IBP)

Baustoffe aus Rohrkolben
Als Sumpf- und Wasserpflanze ist Rohrkolben bestens gegen Feuchtigkeit gewappnet. Besondere Gerbstoffe schützen ihn vor Schimmel und die besondere Struktur seiner Blätter macht ihn leicht und stabil. Rohrkolben, auch Typha genannt, wird schon seit längerem für die unterschiedlichsten Zwecke eingesetzt. Doch auch als Baustoff ist er geradezu prädisziniert.
Durch seine besonderen strukturellen Eigenschaften lassen sich aus ihm Baustoffe herstellen, die sowohl der Dämmung als auch der Statik dienen. Neben seiner natürlichen Schimmelresistenz überzeugt Typha auch durch seine vollständige Rückführbarkeit in den Stoffkreislauf.
Darüber hinaus ist der Naturbaustoff universell einsetzbar. So eignet er sich ebenso für Dachkonstruktionen sowie für Fußböden und Zwischendecken. „Im Prinzip kann man ein komplettes Gebäude aus Typha bauen, sieht man mal von den Rohren, Fenstern und der Eindeckung ab“, sagt Dr.-Ing. Martin Krus vom Fraunhofer Institut für Bauphysik.

Doch nicht nur von neuen Naturbaustoffen erhoffen sich Forscher neue innovative Lösungen. Auch klassische Baustoffe wie Beton könnten durch neue Verfahren ihr Potential weiter steigern.

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Vorher, nachher: Die Betonprobe, feinsäuberlich aufgetrennt in ihre Bestandteile. Die erhaltenen Kornfraktionen werden nach der Fragmentierung getrocknet und gesiebt.(© Fraunhofer IBP)

Beton wird recyclingsfähig
Nach wie vor gehört Beton zu den meistgebrauchten Baustoffe weltweit. Er ist nicht nur vielseitig einsetzbar, sondern kann aufgrund seiner Eigenschaften die optischen, statischen und bauphysikalischen Anforderungen ganzheitlich erfüllen.
Doch Beton ist auch umstritten. So ist vor allem seine CO2-Emission während der Produktion problematisch. Jährlich gehen im Durchschnitt 12 Prozent der weltweiten CO2-Produktion auf das Konto der Zementherstellung. Hinzu kommt seine schlechte Recyclingsfähigkeit. Die Folgen sind Unmengen an nicht wiedervertbaren Bauschutt. Allein in Deutschland betrug die Abfallmenge im Jahr 2010 rund 130 Tonnen.
„Das ist ein riesiger Materialfluss, aber es gibt momentan kein effektives Recycling-Verfahren für Betonabbruch“, erklärt Dr. Volker Thome vom Fraunhofer Institut für Bauphysik. Bisherige Lösungen bezeichnet der Forscher als „Downcycling“. Das heißt, die Rohstoffe werden zwar wiederverwertet, jedoch verschlechtert sich deren Qualität von Vorgang zu Vorgang.
Mit Hilfe von Blitzen soll sich dies ändern. Diese werden unter Wasser auf den Beton gefeuert, welcher dadruch auseinandergezogen wird und sich in seine Einzelbestandteile zerlegt.

Anmerkung: Der Artikel erschien in ähnlicher Form in der Reflex-Beilage „Deutschland baut“ (FAZ, 21. Mai 2015)